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“In diesen heil´gen Hallen
Kennt man die Rache nicht,
Und ist ein Mensch gefallen,
Führt Liebe ihn zur Pflicht.
Dann wandelt er an Freundes Hand
Vergnügt und froh ins beßre Land.
In diesen heil´gen Mauern,
Wo Mensch den Menschen liebt,
Kann kein Verräter lauern,
Weil man dem Feind vergibt.
Wen solche Lehren nicht erfreun,
Verdient nicht, ein Mensch zu sein.”
Implizit ist damit ein weiterer Punkt angesprochen, der einer deutlichen
Frauenfeindschaft in dieser Oper. Auch hier muß man betonen, daß sie
in erster Linie von Sarastro ausgeht. Seine Begründung für den Raub
Paminas lautet abstrakt gesprochen so: “Ein Mann muß eure Herzen
leiten, denn ohne ihn pflegt jedes Weib aus seinem Wirkungskreis zu
schreiten.” Konkreter: “Pamina, das sanfte, tugendhafte
Mädchen, haben die Götter dem holden Jüngling bestimmt; dies ist
der Grund, warum ich sie der stolzen Mutter entriß. Das Weib dünkt
sich groß zu sein, hofft durch Blendwerk und Aberglauben das Volk zu
berücken und unsern festen Tempelbau zu zerstören. Allein, das soll
sie nicht.” Sarastro befindet sich ja in einer bestimmten
Herrschertradition, nicht aber in einer frauenfeindlichen Tradition der
Eingeweihten, wie wir aus dem Dialog Paminas mit ihrer Mutter, der Königin
der Nacht, erfahren:
“Königin: [...] Liebes Kind, deine Mutter kann dich nicht mehr
schützen. Mit deines Vaters Tod ging meine Macht zu Grabe –
Pamina: Mein Vater –
Königin: Übergab freiwillig den siebenfachen Sonnenkreis den
Eingeweihten. Diesen mächtigen Sonnenkreis trägt Sarastro auf seiner
Brust. Als ich ihn darüber beredete, so sprach er mit gefalteter Stirn:
“Weib, meine letzte Stunde ist da – alle Schätze, so ich allein
besaß, sind dein und deiner Tochter. <-> Der alles verzehrende
Sonnenkreis< - fiel ich ihm hastig in die Rede -> ist den Geweihten
bestimmt<, antwortete er. > Sarastro wird ihn so männlich verwalten
wie ich bisher. Und nun kein Wort weiter; forsche nicht nach Wesen, die dem
weiblichen Geist unbegreiflich sind. Deine Pflicht ist es, dich und deine
Tochter der Führung
weiser Männer zu überlassen.”
Für die Königin der Nacht besteht daher eine strikte Feindschaft zu den Eingeweihten und Sarastro; Tamino muß sich deshalb zwischen Pamina und den Eingeweihten entscheiden. Pamina hinterfragt jedoch diese deutliche Feindschaft: “Liebe Mutter, dürft´ ich den Jüngling als Eingeweihten den nicht auch so herzlich lieben, wie ich ihn jetzt liebe? Mein Vater selbst war ja mit den weisen Männern verbunden. Er sprach jederzeit mit Entzücken von ihnen, preiste ihre Güte- ihren Verstand – ihre Tugend.”
In der Antwort der Mutter ist nur noch vom Todfeind Sarastro die Rede, ja sie steigert sich in der Rachearie sogar zur Verfluchung ihrer Tochter, wenn diese nicht eigenhändig Sarastro umbringe. Die Prüfungen Taminos werden von den Eingeweihten vollzogen, bis auf
eine, die Sarastro selbst vornimmt. Es ist die, in der Tamino von Pamina
Abschied nehmen muß. Diese klare Probe der Enthaltsamkeit von den Frauen
gehört allein Sarastro an. Es wirkt wie eine insgeheime Korrektur, wenn die
Eingeweihten auch Pamina in den Tempel einziehen lassen, weil auch sie den Tod
nicht gescheut hat:
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