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entsprechend kann und darf es keine Kräfte geben, die nicht im
Herrscher ihren Bezugspunkt haben. Und vor ihm kann also auch kein Geheimnis
geduldet werden, kein Sonderinteresse, das sich seinem Machtstrahl zu entziehen
versucht. Das Wohl und Wehe jedes einzelnen hängt vom Herrscher ab und
Joseph II. war überzeugt, allein dem Allgemeinwohl zu dienen.
Die Freimaurergesellschaften mit ihren verschiedenen Ausprägungen
stellten die bekannteste, weitverbreiteste und darüber hinaus sogar
international verbundene Geheimorganisation dar, die wegen ihrer allgemein
gehaltenen Humanitätsgedanken geradezu wie ein Schwamm ihre Anziehungskraft
bei allen kritischen und freigeistigen Intellektuellen dieser Zeit ausüben
konnte. Die Logen bildeten so einen Freiraum eigenständiger Art, in dem
eine freie Gemeinschaft von Gleichen unter Gleichen agieren konnte. In der Loge
galt kein Gesetz als das selbstauferlegte, herrschte die nach außen
geschützte freie Rede, auf Reisen bestand eine immer verläßliche
Anlaufstelle zu Gleichgesinnten. Die Losung der Französischen Revolution
von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit war hier vorweggenommen in einer
gewissermaßen exterritorialen8 Kleingesellschaft inmitten jener
Gesellschaft des absolutistischen Staates, die nur Herrscher und Untertan
kannte. Dabei haben die Logengeheimnisse mit dem Staat oder Fürsten nichts
zu tun. Da das freimaurerische Geheimnis nur durch Versprechen der Mitglieder
zur Verschwiegenheit geschützt war, war es ein Leichtes an Informationen
darüber heranzukommen, z.B. erschien kurzzeitig die Zeitschrift “Der
Spion von Wien” mit teilweiser Aufdeckung aller drei Grade.
Allein durch die Verschwiegenheit stellten die Freimaurer so etwas wie
einen Staat im Staate dar. Besonders auffällig wird dieser Charakter eines
Staates im Staate bei der vollständigen Gleichheit der Freimaurer-
“Brüder”, der Aufhebung jeder Rang- und
Herkunftsunterschiede.
Vor allem die Tätigkeit der Aufklärerlogen, in denen die Suche
nach dem Licht in erster Linie das Licht der Aufklärung und der praktischen
Vernunft meinte und nicht so sehr die Arbeit mit Symbolen, verknüpfte die
Logenarbeit wieder stärker mit dem politischen und gesellschaftlichen
Leben. Hierbei ging es vor allem um die Umsetzung von Begriffen wie
Humanität, Toleranz, Wohltätigkeit. Für die sehr ehrwürdige
Johanis-Loge zur Wahrheit in Wien heißt es als erster Grundsatz:
“Die Maurerey in ihrer Verfassung ist eine demokratische Verfassung und
jede Loge eine Demokratie.” Mit dieser Formulierung wurde zweifellos nicht
eine staatsrevolutionäre Tendenz der Loge zu beschreiben versucht, aber
doch wird daran sichtbar, wie politische Begriffe in die Freimaurerei Eingang
finden.
Ein hochgeachteter Aufklärer war Ignaz von Born, der versuchte
Gleichgesinnte um sich zu scharen und damit seinen aufklärerischen
Einfluß zu festigen. Er bemühte sich, die Loge “Zur wahren
Eintracht” zu einer freimaurerischen Akademie der Wissenschaften und
schönen Künste umzugestalten, als Vorläufer oder Ersatz für
die geplante, aber bisher noch nicht zustandegekommene kaiserliche Akademie. Bis
zu einem gewissen Grade ist es Born auch gelungen. Bei der Gründung (1781)
hatte die Loge “Zur wahren Eintracht” 15 Mitglieder, nach zwei
Jahren waren es bereits 96, und im Jahre 1785 vereinigte sie 197
Logenbrüder. Sie unterhielt das von Born begründete
Naturalienkabinett, eine vor allem naturwissenschaftlich angelegte Bibliothek
von 1900 Bänden und gab sogar eine naturwissenschaftliche Zeitschrift
heraus, abgesehen von dem Journal für Freymaurer, das die Tendenzen dieser
Loge unter den anderen österreichischen Logen zu verbreiten
suchte.
Born war nicht nur Meister vom Stuhl seiner Loge, sondern zugleich auch
Großsekretär der Landesloge und hatte damit Einfluß auf das
Freimaurergeschehen in allen sieben Proviniziallogen oder den gesamten
Erblanden. Mit allen Mitteln versuchte er, auf den leitenden Posten solche
Freimaurer unterzubringen, die im politischen Bereich die Reformpolitik des
Kaisers vertraten. In einigen Fällen wurden die politischen Provinzchefs
und Gouverneure zu Provinzialgroßmeistern gemacht, in vielen Fällen
erhielten sie die Würde eines Meisters vom Stuhl in ihren Logen.
Da aber nicht genügend Freimaurer für diese Tätigkeit
vorhanden waren, war es Borns Vorhaben Regierungsvertreter, bevor sie in ihre
Provinz abreisten, schnell noch in die Loge aufzunehmen und gleich zu Meistern
zu befördern. Ähnliches galt für Reisende, wenn sie
einflußreich zu sein versprachen. Ein Beispiel ist Leopold Mozart, der
innerhalb von 16 Tagen aufgenommen und bis zum Meister befördert
wurde.
Borns “Personalpolitik” war ganz eindeutig gegen die zur
Schwärmerei neigenden Logenbrüder gerichtet und von sehr entschiedenen
Vorstellungen über die Aufgaben der Freimaurer geprägt. So sehr mache
seiner Einflußnamen bedenklich im Sinne freimaurerischer Zielsetzung sein
mußten, so hatte Born der Freimaurerei eine ungeheure Zahl der
bedeutendsten Köpfe zugeführt und ihr ein bisher ungekanntes
öffentliches Ansehen verschafft.
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