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5. c) Mozarts LogenarbeitIn Wie gab es zu Mozarts Zeit um 1785 600-800 Freimaurer der dortigen
Logen, und sie alle stammten aus einer gutsituierten bürgerlichen Schicht
oder aus dem Adel. Mozart war geradezu von ihnen umstellt. Um nur ein Beispiel
zu nennen: Mindestens jeder vierte von den Subskribenten der drei großen
Konzerte, die Mozart im März 1784 im Trattnerhof gab, war nachweislich
Logenmitglied.
Wenn man daran denkt, daß die Loge “Zur wahren Eintracht”
nicht nur eine “Prominentenloge”, sondern vor allem die Loge der
Gelehrten und Schriftsteller war, der aber auch ein Mann wie Joseph Haydn
beigetreten ist, so nimmt es wunder, daß Mozart den Weg in die Loge
“Zur Wohltätigkeit” gefunden hat, die von ihrer Zusammensetzung
eine sehr viel “einfachere” war. Sie war ebenso wie die Eintracht
aus der noch existierenden Loge “Zur gekrönten Hoffnung”
hervorgegangen und erst 1783 gegründet worden. 1784 hatte sie 32
Mitglieder. Es gab natürlich unter den Logen viele Querverbindungen. Das
fing mit der gemeinsamen Benutzung des Logenlokals an, konnte aber auch dazu
führen, daß Mozart seine Beförderung zum Gesellen in der
“Eintracht” erlebte. Die Loge hatte im Frühjahr 1784 ihrem
Namen Ehre gemacht, indem sie 4184 Gulden (160.000 DM) für die Opfer von
Überschwemmungen zusammenbrachte. In ganz Wien war dieses Hilfswerk in
aller Munde. Haben solche Beispiele praktischer Humanität Mozart bewogen,
in diese und keine andere Loge einzutreten?
Sowenig es einem überlieferten, aber fragwürdigen Bilde Mozarts
entsprechen mag, muß doch festgehalten werden, daß wir Mozart immer
wieder in unmittelbarer Nähe der wichtigsten politischen Ereignisse sehen.
Obschon – im Gegensatz und seinem Vater – von ihm keine dedizierten
politischen Kommentare überliefert sind, kann man von Mozart doch als einem
aufmerksamen und informierten Beobachter sehen, der sich für politische
Vorgänge lebhaft interessiert, in seinen Opern sehr genau und dicht an die
dringendsten Zeitfragen sich heranwagte, ganz und gar nicht
“überzeitlich” oder “allgemeinmenschlich”. Das
setzte einen wahren Instinkt für gesellschaftliche Vorgänge voraus,
Nähe der Beobachtung und Distanz der Beurteilung.
Mozart hat dies Instinktsicherheit auch bei seiner Logenwahl bewiesen; denn
nicht der “Eintracht”, wohl aber der
“Wohltätigkeit” war es beschieden, die Sturmzeichen nach dem
Freimaurerpatent des Kaisers zu überstehen.
Mozart hat mit seinen musikalischen Mitteln die Loge vielfältig
unterstützt, die musikalische Ausgestaltung der Sitzungen spielte in den
Logen eine große Rolle. So entstand als erstes ein Lied zur
“Gesellenreise” (KV 468), kurz darauf folgte eine Kantate zu Ehren
Borns (KV 471), die bei einer festlichen Tafelfolge mit 84 Personen (darunter
auch Leopold Mozart) aufgeführt wurde. Bezeichnenderweise war der
Anlaß naturwissenschaftlicher Art: Born hatte eine neue
“Amalgamationsmethode zur Scheidung der Metalle” entwickelt, die die
Kosten im Berg- und Hüttenwesen deutlich senkte und von Joseph II. sofort
in den Erblanden eingeführt worden war, wobei Born großzügig an
den Gewinnen der Fabriken beteiligt wurde. Mozart entwickelte sich bald zu einer
Art Hauskomponist seiner Loge. Noch 1785 entstanden mehrere Lieder, im Herbst
die Maurerische Trauermusik (KV 477) auf den Tod zweier Logenbrüder
für eine Trauerloge, ein anspruchsvolles Werk für eine umfangreiche
und höchst differenzierte Besetzung.
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